Mythos Gesichtsformen

Mythen und Halbwahrheiten zum Thema Gesichtsform – reine Formtypen sind selten. Eine Kurzanleitung zum Selbsttest für die Brillenwahl.

„Ich habe ein total rundes Gesicht“, so sieht sich eine meiner Kundinnen, während ihr Freund das gleiche Gesicht als „rechteckig mit gerundetem Kinn“ bezeichnet. Selbstwahrnehmung und Fremdwahrnehmung klaffen oft auseinander und sind häufig eben Ansichtssache.
Dabei kommen die oft publizierten Gesichtsformen wie oval, rund, eckig, dreieckig und trapezförmig selten in Reinform vor. Dies haben wir beim Foto-Shooting für unser Brillenbuch „Lebensgefühl Brille“ festgestellt: Trotz umfangreicher Model-Kartei wurden wir nicht fündig und mussten am Ende einige Gesichter per Bildbearbeitung passend machen.
Die meisten Gesichter sind Mischformen und lassen sich nicht in ein Schema pressen.
Auf was sollte man wirklich achten?

Vor allem die Beobachtungspunkte der Außenkonturen sind wichtig, wenn es um die Formauswahl einer passenden Brillenfassung geht.

Breite der Gesichtskontur

Beobachtung: Die meisten Gesichter haben im Wangenknochenbereich den markantesten Punkt, andere sind an der Stirn oder dem Kiefernknochen kräftiger ausgeprägt.
Übung: Wählen Sie unterschiedliche Fassungsbreiten und vergleichen diese mit der breitesten Proportion.
Fazit: Die breiteste Gesichtskontur sollte in der Fassungsbreite aufgenommen sein.

Verlauf der Gesichtskontur

Beobachtung: Verläuft die Gesichtsform gerade, oval, rund oder wird sie zum Kinn hin schmaler/breiter?
Übung: Vergleich von Fassungen mit geradem Außenrahmen und abgerundeten Formen.
Fazit: Der Konturverlauf kann durch den äußeren Bereich der Brillenfassung aufgenommen sein, da dies häufig harmonisch aussieht und Proportionen ausgleicht.

Bildbeschreibung: Die Fassung greift zwar den breitesten Punkt im Wangenbereich am oberen Fassungsrand auf, wird aber im seitliche Verlauf schmaler. Wie beeinflusst der Rand der Fassung die Gesamtwirkung des Gesichtes? Wie wirkt der Wangenbereich dadurch? Was meinen Sie?

Gesichtslänge

Beobachtung: Erscheint das Gesicht z.B. durch eine hochstehende Stirn oder langes Kinn verlängert oder wirkt es eher komprimiert und kurz?
Natürlich spielt hier auch die Frisurenwahl eine große Rolle. Während die Damen mit einem Pony ihre Stirn optisch verkürzen können, ist dies beim zurückgehenden Haaransatz der Herren nicht immer möglich.
Übung: Vollrandfassungen, Oberrandbetonung, Unterrandbetonung und rahmenlos im direkten Vergleich beobachten.
Fazit: Lange Gesichtsformen lassen sich durch einen kompletten Rahmen optisch unterteilen. Bei langem Obergesicht und kurzem Untergesicht können Oberrandbetonungen besonders vorteilhat sein. Kurze Gesichter benötigen weniger Unterteilung und sind ggf. mit einer Oberrandfassung oder gar rahmenlosen Fassung besser beraten.

Bildbeschreibung: Frisur und Bekleidung beeinflussen ebenfalls die Längenwirkung eines Gesichts. Die stirnfreie Pferdeschwanz-Frisur sowie der große Ausschnitt tragen zur optischen Verlängerung bei.
Die Vollrandfassung auf der rechten Seite passt sich perfekt in das Gesicht ein und führt zu einer angenehmen Verkürzung. Unterstützt wird der Effekt durch die etwas betonten Augenbrauen, die in die Stirn fallenden Pony-Fransen und den kleine Stehkragen.

Gesichtsfläche

Alle Gesichtsformen, die vom Wangenknochen abwärts gerade oder gar breiter verlaufen wirken flächiger als schmal zulaufende Proportionen.
Übung: Vergleich von unterschiedlichen Gläsergrößen und Fassungsstärken.
Fazit: Die Flächigkeit eines Gesichtes hat einen direkten Einfluss auf die Fassungs- bzw. Gläsergröße , d.h. in ein größeres Gesicht, passt auch eine größere Brille.

Kann denn nun ein ovales Gesicht alles tragen, wie in vielen Publikationen behauptet?

Was die Außenkonturen anbetrifft, haben ovale Gesichter viele Vorteile, da die Verteilung von Augen, Nase und Mund häufig sehr ausgeglichen ist.
Doch auch wer eine perfekt ovale Gesichtsform sein eigen nennt, sollte bei der Fassungswahl genau hinschauen: Parameter wie Augenbrauenhöhe und -verlauf, Nasenlänge und Nasenrücken sind ebenfalls sehr wichtig und geben dem Gesicht eine besondere Struktur – die sich bei geschickter Fassungswahl betonen oder kaschieren lässt.
Dazu prägt natürlich auch – und vor allem – die persönliche Ausstrahlung/Stilaussage eines Menschen das individuelle Erscheinungsbild. So ist die Gesichtsform allein keinesfalls das einzige Kriterium für die Fassung – wer richtig wählen möchte, sollte sich ganzheitlich betrachten.
Im nächsten Blogbeitrag zur Brille geht es um die Relevanz der Nase, die häufig nur als „Halterung“ der Brille betrachtet wird, jedoch einen viel größeren Einfluss auf die Wirksamkeit der Brille hat.

Viel Erfolg bei der nächsten Gesichtsanalyse und einen guten Durchblick
Ihre Petra Waldminghaus

Offene Seminare für Optiker: Alle Inhalte Inhouse buchbar

Typberatung als Alleinstellungsmerkmal einsetzen

Mit beiden Formaten können Sie anschließend das Thema umfassend in Ihrem Geschäft anbieten und Ihre Kunden begeistern